



Die Kredite
Als er den öffentlichen Auftrag für den Bau einer Orgel für die königliche Kirche von Saint-Denis erhält, muß Aristide Cavaillé-Coll seine Liquiditäten ausgleichen, indem er Kredite aufnimmt – bei Privatpersonen wie dem Bankier Henri Place oder bei öffentlichen Einrichtungen, die in Banken vertreten sind.
Es ist im 19. Jahrhundert durchaus normal, Kredite aufzunehmen, deren Rückzahlung vertragsgemäß durch die Gemeinden, die Kirchenräte und die anderen Verwaltungen erfolgt. Andere Kredite werden dem Haus Cavaillé-Coll dank einer Hypothek auf die Immobilien eingeräumt, die das prekäre Gleichgewicht der Handelsbilanz des Unternehmens eine Zeitlang belastet. Es wird somit notwendig, über eine gute Auftragslage zu verfügen. Aristide Cavaillé-Coll erklärt dazu: "Dazu muß ich anmerken, daß meine Arbeiten in erster Linie an die Kirche gehen; ich muß deshalb insbesondere mit den Kirchenräten verhandeln. Die Gemeinden und der Staat intervenieren häufig nur in Form von Subventionen oder Hilfen für die Kirchen."
Der Orgelbauer Joseph Merklin, Hauptkonkurrent von Cavaillé-Coll, bemerkt seinerseits am 21. Oktober 1882: "Die Kirchenverwaltung, die uns seit langen Jahren durch ihr Vertrauen ehrt, hat die Bischöfe immer angehalten, einen Orgelbauer auszuwählen, bevor um Subventionen gebeten wird, und niemals Kostenvoranschläge von verschiedenen Orgelbauern für dieselbe Arbeit vorzulegen. Deshalb sind die Orgelarbeiten zum größten Teil zwischen dem Hause Cavaillé-Coll und dem unsrigen aufgeteilt worden."
Hier wird deutlich auf die Unterstützung angespielt, die der Staat dem Haus Cavaillé-Coll zukommen läßt. Da Hyppolyte Blanc, Schwager von Aristide Cavaillé-Coll Mitglied der Kirchenverwaltung ist, ist davon auszugehen, daß Aristide während seiner gesamten Laufbahn bevorzugter Auftragnehmer der Regierung ist, bis zu seinem Rückzug aus dem Geschäftsleben im Jahre 1881.
Die nicht fristgerecht zurückbezahlten Kredite führen im Jahre 1892 zum Verkauf der Manufaktur Avenue du Maine.
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