



César-Auguste Franck
Lüttich 1822 – Paris 1890
Organist der Cavaillé-Coll-Orgeln von Saint-Jean –Saint-François (184?-1857) und Sainte-Clothilde (1857-1890)
Die "Zwölf Stücke" (sechs stammen von etwa 1856-1863, drei von 1878 und drei von 1890) gelten allgemein als Höhepunkt der Orgelliteratur des 19. Jahrhunderts. Sie sind ohne die Orgeln von Cavaillé-Coll kaum vorstellbar und haben für die Orgelliteratur denselben Stellenwert wie die Sonaten von Beethoven für das Klavier: eine unaufhörliche Suche nach Farben, Motiven, Dispositionen, der "großen Form", die aus einem sehr persönlichen thematischen Material hervorgeht.
Wie kaum jemand vor ihm (und nur wenige nach ihm) nutzt Franck die Stimmlagen, die dynamischen Möglichkeiten, die Eigenschaften des Einsetzens, die akustischen Effekte und viele andere spezifische Merkmale der Instrumente seines Freundes.
Sicherlich wird er als Konzertmeister und bei Einweihungen nicht sonderlich geschätzt; bekannt sind in erster Linie seine Darbietungen zusammen mit seinen Kollegen (Saint-Eustache, Notre-Dame…), und die Kritik betont die extreme Korrektheit seines Spiels, die Gewissenhaftigkeit bei der Entwicklung der Themen. Diese Eigenschaften werden von den Kennern geschätzt, aber so viel verlangt das "Durchschnittspublikum" – das letzten Endes die Orgeln finanziert! – gar nicht… Sicherlich strebt Franck eine noch wichtigere Position als in Sainte-Clothilde an. Wie dem auch sei, die Schönheit dieses zauberhaften Instruments trägt viel zu der Enstehung der Meisterwerke bei. Wie sähe die Orgelmusik von Franck aus, wenn er an anderen Orgeln gespielt hätte, in Saint-Sulpice beispielsweise? (Genauso kann man sich fragen, ob der Komponist des "Quintett" und der "Symphonie" sich ähnlich entfaltet hätte, wenn er am Konservatorium den so begehrten Lehrstuhl für Komposition statt des Lehrstuhls für Orgel innegehabt hätte.)
Zu den größten Verlusten der Musikwelt gehören sicherlich die Improvisationen von Franck und seinem Zeitgenossen Bruckner. Beide haben es verstanden, die Essenz der Orgel in ihre Symphoniewerke zu integrieren. Kurz vor seinem Tod hat ein Schüler den Meister auf sehr bewegende Weise geehrt: "In seinem gesamten Werk, wie in der französischen Musik überhaupt, stellen seine Orgelkompositionen ein isoliertes, einzigartiges Monument dar, zu dem es kein Pendant und keine Nachahmer gibt."
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