


Krieg von 1870
Im August 1870 bricht der Krieg aus und sorgt in den Werkstätten von Cavaillé-Coll für Unruhe. Am 2. September wird die Armee von Napoleon III. vor Sedan von den Preußen geschlagen. Der Kaiser kapituliert und wird gefangengenommen. Das Reich endet. Am 4. September wird eine Regierung der nationalen Verteidigung eingerichtet, die mit den Preußen vor den Toren des belagerten Paris einen Waffenstillstand unterzeichnet. Mechaniker, Intonateure und Arbeiter werden für die Wache an den Stadtmauern mobilisiert, insbesondere Gabriel Reinburg. Aristide bleibt mit seinen beiden Söhnen und seiner Tochter, alle noch Kinder, allein. Die Arbeit ruht, das Leben ist hart, es herrscht eisige Kälte. Aristide bleibt nichts anderes übrig, als sein schönes, astfreies Holz zu verbrennen. An seinem Namenstag hat er beschlossen, seine Werkstätten vollkommen zu schließen. Um der Intervention übler Burschen zuvorzukommen, bittet er den Gouverneur von Paris auf Anraten seiner Freunde Hippolyte Blanc und Prosper Faugère um Erlaubnis, in den leeren Gebäuden nicht etwa eine "Ambulanz", sondern hundert Bereitschaftspolizisten aus der Provinz unterzubringen, die " man leichter wieder ausquartieren kann". In der großen Werkstatt im Hof werden Feldbetten aufgestellt. Die Belagerung wird besser organisiert; die Seine hat Hochwasser. Die Presse spricht von den Verhandlungen zwischen Thiers und Bismarck… und vom Überleben der Belagerten, die sich von Maultieren, Hunden, Katzen, Ratten usw. ernähren. Am 29. Dezember 1870 schreibt seine Nichte Berthe Cavaillé-Reinburg beunruhigende Worte an "ihre gute Mutter": "Dieser schöne Weihnachtstag wird traurig sein. Jetzt sind wir schon seit hundert Tagen blockiert. Es ist 12 Grad unter Null und ich denke an diese armen, verletzten Soldaten. Wir fangen an, Schwarzbrot zu essen. Wir haben die Katze von Tante Reinburg gegessen; das ist schade, denn sie war so ein schönes Tier! Um sie in Erinnerung zu behalten, werden wir ihr Fell gerben. – Ich habe ein Stück Hund, das ich einlegen werde. Wir werden es als Steak essen. – Der Architekt Simil war soeben hier. Er hat uns angeboten, uns Rinderfilet zu 10 Francs das Kilo zu besorgen. Die Preise für bestimmte Dinge sind erschreckend; wenn man es nicht sieht, glaubt man es nicht. Die Eier kosten 1,50 Franc, die Tauben 15 Francs das Stück. Herr Simil hat es uns gerade mitgeteilt. Welch ein Vermögen unsere zehn Tauben darstellen!"
Am 31. August, nach der Ereignissen der Kommune, wird Adolphe Thiers zum Staatspräsidenten gewählt, und allmählich setzt sich in Frankreich das republikanische Regime durch.
Nach dem Krieg und der Belagerung von Paris kommen neue Arbeiter in die Manufaktur avenue du Maine, insbesondere der Lehrling Charles Mutin (1861-1930). Er wird das Haus im Jahre 1898 übernehmen.
![]()


