



Nicolas-Jacques Lemmens
Zoele-Parwijs, Belgien 1823 – Sempst bei Malines, Belgien 1881
Orgellehrer am Konservatorium von Brüssel.
Lemmens, Sohn eines Organisten, Küsters und Dorflehrers, durchläuft sämtliche Stufen einer Musikerkarriere. Er steht unter dem Schutz des Musikwissenschaftlers Fétis, Leiter des Brüsseler Konservatoriums, der ihn in den 1840er Jahren zum Erneuerer der belgischen Orgelkunst machen will. (Parallel dazu sorgt der in Brüssel lebende deutsche Orgelbauer Joseph Merklin für die Erneuerung des Orgelbaus, bevor er ab 1855 zum wichtigsten Pariser Rivalen von Cavaillé-Coll wird.)
Er besitzt nicht nur die Ausstrahlung seiner Musikerpersönlichkeit, sondern erlangt auf Betreiben von Fétis auch den Ruhm eines "Fortbildungskurses" bei dem Deutschen Hesse in Breslau, der nach dem Tod des berühmten Rinck als Fortführer der Tradition J.S. Bachs gilt. Die Musikwissenschaft hat allerdings heute festgestellt, daß diese Verbindung eher auf dem Papier existiert als in Form einer Musikästhetik…
Als überzeugter Katholik ist Lemmens kaum geneigt, der "protestantischen" Haltung von Bach treu zu bleiben. Ihm liegt vielmehr daran, die Musikwelt durch ein zwar virtuoses, aber durch die polyphone Kontrolle aller Stimmen beherrschtes Spiel zu erobern, das eigentliche Erbe des deutschen Meisters. Er begeistert die Pariser Musikwelt bei seinen Konzerten in der Kirche Saint-Vincent-de-Paul im Jahre 1852, wo er sich als wirklicher "moderner Klassiker" behauptet.
Wie Lefébure-Wely heiratet er eine Sängerin, und zwar die berühmte Engländerin Helen Sherrington. Einen großen Teil seiner Karriere wird er in der Heimat seiner Frau absolvieren. Bekannt ist er aber vor allem als Orgellehrer am Konservatorium von Brüssel, wo er hervorragende Schüler ausbildet und auf Drängen von Cavaillé-Coll die besten jungen französischen Talente aufnimmt – Alexandre Guilmant, Charles-Marie Widor…- , um ihre technische und künstlerische Ausbildung zu vervollkommnen. (Cavaillé hätte es gewünscht, daß Lemmens sich in Paris niederläßt. Lemmens aber will augenscheinlich seine Unabhängigkeit bewahren; im übrigen hat er noch keine wichtige Stelle bei der Kirche innegehabt.)
So beschränkt sich das Genie von Cavaillé-Coll nicht auf die Orgelbaukunst, denn er hat nicht nur Klangvision, sondern auch eine sehr klare Vorstellung des Künstlers, der diese Vision zu verkörpern hat.
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