



Henri Messerer
Marseille 1838 - Marseille 1923
Organist an der Cavaillé-Coll-Großorgel der Kirche Saint-Charles in Marseille (1873-1923)
Messner war einer der unzähligen Kirchenmusiker elsässischer Herkunft, die die Emporen und Kapellen ganz Frankreichs im 19. Jahrhundert bevölkerten. Er stammte aus einer Familie, die im Klavierbau und -verkauf tätig war. Nach seiner Ausbildung in Marseille bekleidete er verschiedene Stellen, bevor er auf die Empore der Kirche Saint-Charles gerufen wurde. Dort war er Herr über die 24 Register einer "kleinen Schwester" der Orgel von Sainte-Clothilde und machte sich einen Namen, auch bei seinen Pariser Kollegen.
Seine Tätigkeit ging weit über den kirchlichen Rahmen hinaus; er unterrichtete sein Instrument sowie Harmonielehre und wurde sogar Leiter des Konservatoriums. Henri Messerer unterhielt sicherlich weniger enge Beziehungen zu Cavaillé-Coll als Collin oder Tournaillon, was insbesondere daran liegt, daß es in Südfrankreich hervorragende Orgelbauer gab wie etwa Mader, Puget oder Magen, die es durchaus mit jenem anderen, nach Paris gegangenen Südfranzosen aufnehmen konnten. Aber seine Ästhetik, und die der regionalen Orgelbauer, war natürlich vom Stil Cavaillé-Colls beeinflußt.
Zwei seiner "Trois pièces" sind Charles Collin bzw. dessen Sohn Charles-Augustin Collin (Organist der Cavaillé-Coll-Orgel der Kathedrale von Reims) gewidmet; ein deutlicher Beweis dafür, daß es dem Orgelbaumeister dank der Tragweite seines Stils gelungen war, auch über die regionalen und kulturellen Grenzen hinaus eine Verbindung von künstlerischer Sensibilität und Finalität zu schaffen, die französische Schule vielleicht zur mächtigsten der Welt machte.
(Diese Kurzbiographie beruht auf der ausgezeichneten Untersuchung von Patrick Geel in der Zeitschrift "La lettre de l‘orgue en Sud-Est", Nr. 1 (November 1988), S. 1-8.
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